
"Und was machst du so beruflich?"
Die Frage kommt locker, beim Netzwerktreffen. Die Frau dir gegenüber lächelt freundlich, interessiert. Ein ganz normaler Gesprächseinstieg bei so einem Treffen.
Aber in dir? Sofortiger Stress.
"Ich bin … also, ich arbeite im Projektmanagement. Und nebenbei mache ich ein bisschen… naja, ich berate kleinere Unternehmen zu Social Media. Aber wirklich nur so nebenbei. Nichts Grosses."
Die Frau nickt höflich und wendet sich einer neuen Gesprächspartnerin zu.
Du ärgerst dich über dich selbst. Warum hast du schon wieder dein Sidebusiness kleingeredet? Warum fühlst du dich unwohl, wenn du sagst, was du tust?
Du hast schon mit mehreren Kunden erfolgreich zusammen gearbeitet. Dein letzter Workshop war ausgebucht. Du hast ein klares Konzept und Erfolge. Doch wenn du darüber sprechen sollst, wird aus "Ich berate" plötzlich "Ich mache ein bisschen". Aus "Ich bin Unternehmerin" wird "nur so nebenbei".
Das Kind hat einen Namen: Es heisst Imposter- oder Hochstapler-Syndrom und trifft besonders oft Frauen, die sich neben ihrem Job selbstständig machen.
Was ist das Imposter-Syndrom?
Das Imposter-Syndrom, auch Hochstapler-Syndrom genannt, beschreibt die innere Unsicherheit, nicht wirklich kompetent zu sein – trotz nachweisbarer Erfolge und Qualifikationen. Als wärst du eine Hochstaplerin, die jeden Moment auffliegen könnte.
Hier kommt das Verrückte: Gerade Menschen, die wirklich gut sind in dem, was sie tun, leiden besonders häufig darunter. Sie haben Selbstzweifel und tappen immer wieder in die Perfektionsfalle.
Dieses Phänomen tritt überdurchschnittlich oft bei Frauen auf, die sich selbstständig machen oder generell etwas Neues wagen.
Wenn du also eine Frau bist, die nebenberuflich selbstständig ist und immer wieder Neues wagt, hast du gleich mehrere "Risikofaktoren".
Ich sage schon mal: Herzlich willkommen im Club der hochqualifizierten Hochstaplerinnen.
9 Zeichen, dass das Imposter-Syndrom dich ausbremst
Schau mal ehrlich hin – wie viele Punkte treffen auf dich zu?
1. Du spielst deinen Erfolg herunter
"Ach, das war doch echt nichts Besonderes."
Komplimente und Lob lässt du nicht so leicht an dich heran. Wenn eine Kundin begeistert ist, schiebst du es auf Glück, gutes Timing oder darauf, dass die Kundin "eh schon weit war".
Dein Anteil? Den siehst du nicht. Oder willst ihn nicht sehen.
Gold-Nugget für dich
Dein Erfolg ist kein Zufall. Er ist das Ergebnis deiner Arbeit, deiner Erfahrung und deines Könnens. An dieser Stelle lassen wir dein "aber" (das du hier am liebsten einfügen würdest) weg und setzen einen dicken, fetten Punkt.
2. Du vergleichst dein Innenleben mit dem Aussenauftritt anderer
Instagram, LinkedIn, die erfolgreiche Kollegin aus dem Netzwerk – überall Menschen, die scheinbar weiter sind, mehr können, professioneller auftreten.
Und du? Fühlst dich wie die Anfängerin, die noch Jahre braucht, um auch mal "da" anzukommen.
Dabei verlierst du komplett den Blick für deine eigenes Wissen und deine jahrelange Erfahrung. Du siehst nur, was dir fehlt … nie, was du längst hast.
Gold-Nugget für dich
Du vergleichst dein Innenleben mit dem Aussenauftritt anderer. Das ist, als würdest du den ungeschnittenen Rohfilm mit dem fertigen Kinotrailer vergleichen. Seeehr unfair und komplett sinnlos.
3. Du brauchst erst noch mehr Wissen
Noch eine Ausbildung. Noch ein Zertifikat. Noch ein Kurs. Dann erst fühlst du dich bereit. Dann erst traust du dich, dein Angebot wirklich rauszutragen, den Preis zu erhöhen, dich als Expertin zu positionieren.
Nur: Dieser Moment kommt nie. Denn das Problem ist nicht dein Wissensstand. Das Problem ist dein Gefühl, nicht gut genug zu sein.
Gold-Nugget für dich
Noch mehr Wissen macht dich nicht besser oder mutiger. Du verschiebst nur deinen Startpunkt auf den St. Nimmerleinstag. Denn es wird immer noch DEN einen Kurs geben, den du vermeintlich brauchst. Du bist jetzt schon (mehr als) qualifiziert für das, was du anbietest. Starte jetzt und bilde dich dann später weiter.
4. Du hast Angst, sichtbar zu werden
Website, LinkedIn, Angebote posten … alles fühlt sich so unangenehm und schrecklich laut an. Du willst nicht aufdringlich wirken. Nicht so, als würdest du dich in den Mittelpunkt stellen. Oder als hättest du es nötig.
Also bleibst du lieber unsichtbar. Auch wenn das bedeutet, dass potenzielle Kundinnen nie zu dir finden.
Gold-Nugget für dich
Sichtbarkeit bedeutet: Du zeigst, dass es dich gibt. Erzählst, was du tust, für wen deine Arbeit ist und was sie bewirkt – damit die Menschen, die deine Hilfe brauchen, zu dir finden. Das Megaphon und nervige Verkaufsfloskeln lässt du weg.
5. Du glaubst, du musst perfekt sein
Ein Tippfehler im Newsletter? Eine Formulierung, die dir nicht so gut gelungen ist? Ein Workshop, der nicht 100%ig rund lief? Ein Feedback, das nicht supertoll ist? Für dich ist das der Beweis: Du bist nicht geeignet.
Fehler sind für dich keine Lernchancen. Sie sind Beweise deiner Unzulänglichkeit.
Gold-Nugget für dich
Perfektion ist eine Illusion und meistens ein Schutzmechanismus. Wenn du wartest, bis es "perfekt" ist, wirst du nie starten. Kennst du den Spruch "Lieber unperfekt gestartet, als perfekt abgewartet"? Falls nicht, ich schenke ihn dir ;-). Er begleitet mich schon viele Jahre und hat mich immer wieder vor der Perfektionsfalle bewahrt.
(Sh)it happens. Und es wird, was du daraus machst.
6. Du nimmst Erfolge als Glück oder Zufall wahr
- Die Kundin hat zugesagt? Glück gehabt, sie war sowieso schon überzeugt.
- Der Workshop war voll? Gutes Timing.
- Die positive Bewertung? Die Kundin ist einfach nett und wollte dir einen Gefallen tun.
Du siehst das nicht als Ergebnis deiner Kompetenz und tollen Arbeit, sondern als Glück oder Zufall. Als würdest du gar nichts dazu beitragen.
Gold-Nugget für dich
Erfolg hat immer mehrere Faktoren. Deine Arbeit, deine Art, dein Können – das alles hat mit dazu beigetragen. Nimm es an, klopfe dir auf die Schulter und freue dich darüber.
9 Mut-Macher für Sidebusiness-Heldinnen, die immer wieder an sich zweifeln

Wetten, du unterschätzt, wie viel du schon geschafft hast?
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7. Du hast Schuldgefühle beim Geld verdienen
Besonders, wenn dir etwas leicht fällt und auch noch Freude macht.
In deinem Job ist es ja okay, dass du monatlich dein Gehalt bekommst. Das darf auch gerne grosszügig sein. In deinem eigenen Sidebusiness sieht das dann schon etwas anders aus.
Da kommen dann quälende Fragen, wie:
Darf ich dafür wirklich Geld nehmen?
Ist X (setze deinen Betrag ein) nicht unverschämt?
Ist das nicht zu viel, wenn es mir nicht mal schwerfällt?
Als wäre der Wert deiner Arbeit daran gekoppelt, wie sehr du dafür leiden musst.
Gold-Nugget für dich
Dass dir etwas leicht fällt, macht es nicht weniger wertvoll – im Gegenteil. Es zeigt, dass du gut darin bist. Meisterschaft sieht oft mühelos aus. Sie ist es jedoch nicht. Denn erinnere dich mal daran, wieviele Jahre du gebraucht hast, um an diesem heutigen Punkt zu stehen.
8. Du zweifelst stärker im eigenen Business als im Job
Im Angestelltenverhältnis weisst du besser, was du kannst. Du bist kompetent, wirst geschätzt, lieferst gute Arbeit ab. Aber sobald es um dein eigenes Business geht, ist plötzlich alles so wackelig und unsicher. Diese Wackelpudding-Momente bringen dich immer wieder aus dem Gleichgewicht.
Obwohl du objektiv genauso viel (oder mehr) kannst. Du bist ja dieselbe Person.
Gold-Nugget für dich
Im Angestelltenverhältnis wirst du für deine Leistung bewertet.
Im eigenen Business bewertest du dich selbst oder hast das Gefühl, du wirst von anderen bewertet.
Das ist ein Unterschied, den dein Nervensystem sehr genau kennt.
Oder anders ausgedrückt:
Im Job kannst du sagen: Das ist meine Rolle.
Im Business sagst du: Das bin ich.
Und "Ich bin" fühlt sich immer verletzlicher an als "das ist meine Rolle".
9. Du hast Angst, enttarnt & ausgestossen zu werden
- Als würde jemand irgendwann sagen: Du gehörst hier nicht her. Geh weg.
- Als würden alle plötzlich merken, dass du gar nicht die Expertin bist, für die du dich ausgibst.
Diese Angst vor der Enttarnung sitzt tief. Sie ist völlig irrational aber trotzdem sehr real. Unser Reptilienhirn läuft Amok und tut alles, um zu vermeiden, dass du aus dem Rudel ausgestossen wirst. Leider merkt es nicht, dass sich die Zeiten geändert haben. Das musst du ihm sagen.
Gold-Nugget für dich
Wenn du Angst hast, enttarnt zu werden, bist du keine Hochstaplerin. Du bist eine Frau, die ehrlich reflektiert und hohe Ansprüche an sich selbst hat." Sag deinem Reptilienhirn: "Danke für den Einsatz aber hier ist niemand in Gefahr. By the way, echte Hochstapler haben diese Angst nicht, die halten sich für grossartig und es ist ihnen völlig egal, was andere von ihnen denken.
Welches Anzeichen kennst du besonders gut und wie gehst du damit um? Erzähle es gerne in den Kommentaren.

Hugs, love & happiness
deine Tanja
PS: Wenn du dir deine Lieblings-Hochstapler-Strategien mit mir gemeinsam anschauen und verändern möchtest, damit du wieder in deine kraftvolle Energie kommst, dann lass uns sprechen.
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